Lampedusa Calling

Aktion Mensch fördert „Lampedusa Calling“ mit 280.000 Euro

Mobiles Ausstellungs- und Begegnungsprojekt geht an den Start - Ministerpräsident Kretschmann übernimmt Schirmherrschaft

280.000 Euro fließen aus den Fördertöpfen der Aktion Mensch in ein Herrenberger Ausstellungs- und Begegnungsprojekt, das seinesgleichen in Deutschland sucht: Junge Menschen mit und ohne Fluchterfahrung erhalten die einzigartige Chance, gemeinsam eine Wanderausstellung auf den Weg zu bringen, in der das Thema Flucht sichtbar, hörbar und erlebbar wird. Ministerpräsident Winfried Kretschmann übernimmt die Schirmherrschaft für das Herrenberger Projekt.

Der Erfolg kam nicht über Nacht. Was die Juroren jetzt allerdings überzeugt haben dürfte, ist die Tatsache, dass in den letzten Jahren bereits von verschiedenen Seiten spannende Initiativen ins Leben gerufen wurden, die in ihrer Unterschiedlichkeit alle eines gemeinsam hatten und haben: Flüchtlingen auf kreative Art und Weise zu helfen und dabei stets auf Begegnung und Austausch mit der Bevölkerung zu setzen. Darauf baut auch das Gemeinschaftsprojekt „Lampedusa Calling“ von Stadtjugendring, Volkshochschule, Technische Dienste und des Vereins Kukuk Kultur. Die Idee entstand vor knapp drei Jahren, in der Hoch-Zeit der Flüchtlingsbewegung.

Drei Container und eine Botschaft

Mit „Lampedusa Calling“ soll gemeinsam mit jungen Geflüchteten ein mobiles Ausstellungs-und Begegnungsprojekt entstehen. Drei gebrauchte Frachtcontainer sollen für diesen Zweck umgebaut, mit Leben gefüllt und anschließend auf die Reise geschickt werden. Ein öffentlich zugänglicher Raum mit vielen Anreizen, der zu Austausch und Dialog einlädt - zwischen Einheimischen und neu hinzugezogenen Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Das Ziel ist die Schaffung einer Begegnungsstätte mit vielen Denkanstößen. Die Container als Raumgeber stehen als Symbol für Aufbruch, Übergang und Unterwegssein – ihre Botschaft ist, dass ihr Platz, egal wo, immer ein vorläufiger Platz ist und sein wird, den sie früher oder später wieder verlassen.

Flucht im Fokus

Der Titel, unter dem das von der Aktion Mensch geförderte Gesamtkonzept steht, weckt unwillkürlich Bilder und Emotionen. Kaum ein Name hat sich mehr als Synonym für Flüchtlingsschicksale in den Köpfen eingebrannt als der Name der kleinen Mittelmeerinsel Lampedusa. Von ihren oftmals beschwerlichen Reisen und persönlichen Geschichten erzählen zahlreiche Fundstücke, die in Flüchtlingsbooten zurückgelassen oder nach einem Schiffbruch zum Beispiel an die Strände Lampedusas gespült werden. Jedes Fundstück erinnert schmerzlich daran: Nach Europa kommt keine anonyme Masse an Flüchtlingen, sondern Menschen mit Angst, Trauer, Verzweiflung und Hoffnung im Gepäck.

„Lampedusa Calling“ zeigt aber auch, dass über die Zustandsbenennung hinaus – so schmerzlich diese auch sein mag - etwas Positives in Bewegung geraten kann. So hat der Titel einen bewusst auffordernden Charakter: Menschen sollen mit ihren Emotionen und Bildern nicht alleine bleiben, sie werden vielmehr mitgenommen auf eine andere Art der Reise, in deren Verlauf sie sich auf unterschiedliche Weise mit einbringen können, dabei neuen Menschen begegnen und neue Erfahrungen sammeln.

Zum Konzept von „Lampedusa Calling“

Container 1: Ausstellungscontainer

Eine Ausstellung persönlicher Fundstücke von Flüchtlingen soll das Herzstück sein, von dem alle weiteren Aktivitäten ausgehen. Ausstellungsstücke sind Fundsachen wie zum Beispiel zerschlissene Schuhe und Kleidungsstücke, vom Salzwasser ausgelaugte Bilder, Briefe. Der aus Lampedusa stammende Künstler Giacomo Sferlazzo wird diese Ausstellungsstücke zur Verfügung stellen. Die Artefakte sollen helfen, die Situation von Menschen auf der Flucht zu veranschaulichen. Sie sollen besser (be)greifbar machen, was es bedeutet, die eigene Heimat zu verlieren. Der Plan ist, dass geflüchtete und einheimische Jugendliche gemeinsam - mit Hilfe von Pädagogen und in Zusammenarbeit mit Künstlern - die Ausstellung gestalten. Elena Hocke, stellvertretende Leiterin der Volkshochschule Herrenberg, wird eine Ansprechpartnerin und Begleiterin für die kunst- und erlebnispädagogischen Aspekte des Projektes sein. Sie steht in direktem Kontakt zu Giacomo Sferlazzo, mit dem sich alle eng abstimmen werden.

Container 2: Begegnungscontainer

Ein zweiter Container soll die Besucher einladen, sich mit dem Gesehenen aktiv auseinanderzusetzen, sich weiter zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. So könnte aus dem Container ein Begegnungscafé für den persönlichen Austausch werden, oder eine Plattform für Podiumsdebatten und Vorträge, oder ein Raum für Workshops …

vieles ist hier denkbar. Auch hier muss keiner bei null anfangen: Der Stadtjugendring hat in 2016 im Rahmen des Projekts „bunt statt grau“ bereits einen ähnlichen Container zusammen mit Jugendlichen und neu zugezogenen Flüchtlingen geplant und gebaut. Jugendliche aus aller Welt sind während dieser Zeit zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Was die Geschäftsführerin Stefanie Hiesel und die anderen Verantwortlichen des Stadtjugendrings als Auftrag nehmen, weitere Plattformen der Begegnung zu schaffen, von wo aus einheimische und geflüchtete Jugendliche gemeinsam etwas bewegen können.

 Projekt „bunt statt grau“

http://www.stadtjugendring-herrenberg.de/bunt_statt_grau!;3.0.0.0/cat102.html

Container 3: Projektcontainer

Der dritte Container ist optional. Er würde Raum für zusätzliche spannende Projekte bieten. Hier könnte man zum Beispiel über eine gemeinsame Bauaktion für einen Container-Spielplatz nachdenken - etwa in der Machart wie die „Herrenberger Box“, die seit ihrer Fertigstellung in einem Flüchtlingslager in Erbil (Nordirak) gute Dienste leistet. Auch für diesen Part wären Profis helfend mit am Start: Zum einen der gemeinnützige Verein „Kukuk Kultur“, deren Mitglieder die geistigen Väter der „Spielplatz-aus-dem-Container-Idee“ sind. Ideengeber Bernhard Hanel hat schon eine ganze Reihe von Frachtcontainern in Container-Spielplätze umgebaut, immer für den Einsatz in Krisengebieten und immer unter tatkräftiger Mithilfe von Kindern und Jugendlichen. Sowie die Technischen Dienste mit Amtsleiter Stefan Kraus und seinem Team. Er und seine Mitarbeiter hatten sich seinerzeit stark für die „Herrenberger Box“ engagiert. Sie werden sich bei Bedarf auch in diesem Projekt wieder mit einbringen.

 Herrenberger Box

http://tdh-aktuell.herrenberg.de/fest-rund-um-die-herrenberger-box-danke

Hinter den Container-Kulissen

Hinter der für alle sichtbar werdenden Container-Wanderausstellung und -Begegnungsstätte steckt ein fein austariertes Vier-Stufen-Konzept, das unter der Feder-führung des Stadtjugendrings erarbeitet wurde. Im Kern geht es zunächst um Vertrauensbildung im interkulturellen Kontext - als Auftakt zur eigentlichen Projektarbeit, in deren Verlauf die Jugendlichen mit kunstpädagogischer Begleitung den Ausstellungscontainer gestalten werden. Zudem sollen im ersten und zweiten Projektjahr interessierte Jugendliche über die eigentliche Projektarbeit hinaus das Rüstzeug an die Hand bekommen, als „Lotsen“ ihr erlerntes Wissen und ihre gesammelten Erfahrungen rund um das Thema Flucht an andere weiterzugeben.

Schon der erste kleine Blick hinter die Kulissen zeigt: Das komplette Konzept ist planungs-, personal- und kostenintensiv. Aktion Mensch ermöglicht mit seiner Spende die Umsetzung dieses sorgsam ausgearbeiteten Konzeptes, das viele Mitarbeiter und viel Engagement vor und hinter den Kulissen erfordern wird.

Förderer für Container gesucht

Der (Um)Bau des Kunstcontainers ist übrigens nur teilweise im bewilligten Geld enthalten, ebenso wie die Anschaffung der benötigten zwei oder drei Container. Hier hoffen die Projekt-Verantwortlichen auf Spender aus der Region, die bereit sind, die Kosten für den Aus- und Umbau eines robusten Transport-Stahlwürfels in ein mobiles „Museum“ zu tragen und /oder alte Container für „Lampedusa Calling“ zur Verfügung zu stellen. Die steuerliche Absetzbarkeit für Unternehmen sowie großes öffentliches Rampenlicht für das Projekt lassen die Verantwortlichen zuversichtlich nach vorne schauen.

Strahlkraft weit über Stadt hinaus

Herrenberg wird Standort für das Pilotprojekt sein. Die bewilligten 280.000 Euro werden als Anschubfinanzierung voll in die Herrenberger Pilotphase fließen, die auf drei Jahre angelegt ist. Der Startpunkt vor Ort ist mit der Bewilligung gesetzt, und so werden sich zeitnah die Mitmachenden aus allen Gruppen zusammensetzen und die ersten Schritte besprechen. Mit dem Projektende in Herrenberg naht dann ein neuer Startpunkt, wenn „Lampedusa Calling“ als Wanderausstellung auf Tour gehen wird. Das heißt, andere Kommunen können die fertige Ausstellung mieten. Das damit verknüpfte Konzept und erworbene Kommunikations-Knowhow rund um das Thema Flucht soll wie ein Staffelstab weitergegeben werden. Die Strahlkraft wird also weit über Herrenbergs Stadtgrenzen hinausgehen. Wie groß „Lampedusa Calling“ von allen Seiten gedacht wird, zeigt sich nicht zuletzt an der zugesagten Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Ihre Ansprechpartnerinnen und -partner für Fragen:

Stefanie Hiesel und Simon Gmeiner

SJR Herrenberg e.V.

07032-956386

info@sjr-hbg.de

Elena Hocke

Volkshochschule Herrenberg

07032-2703-12

hocke@vhs.herrenberg.de

Bernhard Hanel

Kukuk Kultur e.V.

0711-3155-6727

info@kukuk-kultur.de

Stefan Kraus

Stadt Herrenberg/Technische Dienste

07032-9424-16

s.kraus@herrenberg.de

Heiko Bäßler

Projektentwicklung und -begleitung

0151-58766332

Heiko.Baessler@projektmanufaktur.org


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