Fachbereich Kunst - Gestalten - Musik - Tanz
Kunst und Gestalten oder Warum bieten wir das überhaupt an?
In einer Gesellschaft, in der Bildung als hohes Gut gehandelt wird, kann kaum übersehen werden, dass „Bildung“ mehr sein muss als bloß rezeptiver Wissenserwerb. Bildung muss mit der Förderung kreativer Potenziale zusammen gehen. Zukunft ist nicht Reproduktion sondern Innovation.
Kreativität ist nicht persönliches Schicksal: sondern erlernbar. Erstaunlich, dass sich in den Kindergärten eine Fördervorstellung zu etablieren scheint, die mehr auf Fremdsprachenerwerb und Computerhandling ausgerichtet ist, als auf die Förderung der Kreativität. Die falsche Weichenstellung berücksichtigt weder Erkenntnisse der Pädagogik noch solche der Neurowissenschaften, aber sie ist en vogue, weil sie einen diffusen Leistungsanspruch zu favorisieren scheint.
In der schulischen Bildung geht es auch nicht vor allem um die Förderung von Kreativität, sondern in den traditionellen Kreativfächern wie Musik und Kunst primär um den Erwerb abfragbaren Wissens. Kein Wunder, dass solche Fächer dann keine Unterstützung für die anderen anbieten können.
In den Hochschulen – potenziert durch das bis dato chaotisch organisierte Bachelorstudium – geht es auch nicht um die Förderung von Kreativität, sondern um abfragbares Wissen und das, obwohl die Halbwertszeit von Wissen andauernd sinkt.
Die öffentliche Weiterbildung ist sicherlich nicht die Rettung in dieser Situation. Sie besetzt aber immer noch Gestaltungsnischen, die für die Förderung von Kreativität eingesetzt werden. Im Rahmen der Ganztagsschulen sollte hier ein wichtiges Arbeitsfeld auf- und ausgebaut werden.
Neben einer Kreativitätsförderung von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung bleibt für die Weiterbildung auch immer der einzelne Mensch im Focus. Nicht jeder Mensch kann in seinem Arbeitsalltag seine persönlichkeitsrelevanten Kreativpotenziale ausleben. Im Sinne einer ganzheitlichen Vorstellung des Humanum hat Weiterbildung hier Ausgleichsmöglichkeiten anzubieten. Hier liegt die Basis für die meisten Veranstaltungen im Fachbereich „Kunst und Gestalten“. Das gilt für praktische Angebote genauso wie zum Beispiel für Kunstausstellungen. Auch sie dienen dazu, den optionalen Raum über die krude Wirklichkeit hinaus offen zu halten.
Nicht, dass l'art pour l'art in einer rationalistischen Welt nicht schon Zweck genug wäre, aber mit öffentlichen Geldern geförderte Weiterbildung hat sich in ihren komplexen Zielen auszuweisen. Bezüglich ihrer Kreativangebote: Nichts leichter als das!
Prof. Dr. Bathelt
Abteilungs- und VHS-Leiter
